Gedenkaktion "Mahnwache und STOLPERSTEINE putzen"

Neues aus der Region

Presseartikel - Ein Tag der Schande

LVZ, 10.11.2014

"Ein Tag der Schande - für die Täter und die Zuschauer"

Wirkungsvoller als Unterricht

Schließung Odermannstraße

Abschlussbericht 2013

Abschlussbericht 2013

IG "Mahnwache und Stolpersteine putzen"

 

In diesem Jahr fand zum sechsten Mal das Gedenken mit Mahnwachen an den Stolpersteinen lokal, bundesweit und international statt. Diese Gedenkaktion wird erstmalig in Zusammenarbeit mit dem Erich - Zeigner - Haus e.V. organisiert. Die Schirmherrschaft in Leipzig wurde in diesem Jahr dankenswerter Weise von Herr Prof. Dr. rer. nat. habil. Cornelius Weiss übernommen. Prof. Weiß ist Wissenschaftler, ehem. sächsischer Landtagsabgeordneter sowie zuletzt Alterspräsident des Sächsischen Landtages. Er war von 1991 bis 1997 Rektor der Universität Leipzig.

Seit 2008 organisiert die InitiativgruppeMahnwache und Stolpersteine putzen in Leipzig und darüber hinaus die jährlich wiederkehrende, gleichnamige Gedenkaktion zum 9. November. War es im ersten Jahr nur Leipzig, so beteiligten sich im vergangenen Jahr schon 32 Orte, darunter auch Budapest. Am 9. November 2012 erinnerten somit in dieser Form des Gedenkens, weit über tausend Menschen der Opfer des Holocaust.

Die MitstreiterInnen der Initiativgruppe fürten in diesem Jahr ihre ehrenamtliche Arbeit unter dem MottoGedenken setzt wissen voraus!“ mit vielen einzelnen Projekten fort.

Das Buch „Er war doch nur ein neunjähriger Junge: Hans Richard Lewy – Kindertransporte nach England 1938/1939“ das bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen erschienen ist, wurde im Unterricht nicht nur des Kant-Gymnasiums behandelt. Doch deren Schülerinnen und Schülern bereiteten Fragen vor, die sie Hans Richard Lewy in ein Telefoninterview stellten.

Basierend auf der Broschüre „Kindertransporte nach England“ wurde in Zusammenarbeit mit Thomas Kumbernuß bei Radio Blau das Hörbuch ausgestrahlt, dass von Mitgliederinnen des Vereins „Leselust“ eingelesen wurde.

Es folgten die Übersetzung des Buches in die englische und russische Sprache. Lesungen in russischer Sprache fanden beim „zuHause“ e.V. und am 28.02. im „Interkulturellen Konversationscafé“ statt.

Dies war aber nur ein Auftakt für das Ereignis das am 7. März folgen sollte: eine „Große Buchpräsentation“ in einem London-Bus in Leipzig. Diesen Lesungen erfolgten in drei Sprachen. Frau Petra Dehmel übernahm die Aufgabe der Stadtführung zu den beschriebenen Orten aus dem Leben und Wirken der Famile Lewy und Frank.

Im April besuchte der Projektleiter Richard Gauch die Budapester Mitstreiter der Kohányi-Gesellschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Dénes Lajos Nagy welche die Gedenkaktion in Budapest durchführen. So reiste am 9. Nov. 2013 eine Delegation aus Leipzig zur Teilnahme an den Mahnwachen nach Budapest. Till Gossmann unser Deligationsleiter wurde von weiteren 17 Personen nach Ungarn begleitet, die die Kosten für die Teilnahme selber übernahmen. Die 18-köpfige Delegation von jungen AntifaschistInnen unterstützten in Budapest die dortigen Gedenkaktionen, mit dem mittlerweile traditionellen Radnóti Marsch. So wurde am 9. November auch der Ermordung des Dichters Miklós Radnóti im Jahre 1944 gedacht.

Till hat sich verdient gemacht durch Recherchen und Aufarbeitung von Zeitzeugenberichten. Unter anderem hat er Frau Sonja Kurella-Schwarz, Tochter von Georg Schwarz, als Zeitzeugin interviewt.

In Ungarn folgte ein Treffen mit einem Partner der Kohányi-Gesellschaft. Mit den Herren Marcell Lörincz und Josa Balint von der „subjectiv values foundation“ wurden weitere Kooperationen und konkrete weitere gemeinsame Projekte beschlossen.

2014 sollte der Reimteufel (Marco Helbig) und Suncalina (Carolin Helbig) sowie die Band „cabeljau“ ein AntiRa-Konzert in Budapest durchführen gefolgt von zwei Konzerten in Roma-Dörfern sowie einem Rep-Workshop mit Romakindern in Miskolc.

Zur Finanzierung des Projektes gab es im Juni zwei Soli-Konzerte, eines im Werk II und ein zweites im Pöge-Haus in Leipzig. Leider reichten die Einnahmen nicht aus, um das Projekt durchzuführen. Die Einnahmen wurden dem Selbsthilfeprojekt dem Roma-Dorf Kálló

übergeben. Den bei der derzeitigen politischen Lage in Ungarn kann die Verantwortung für die Sicherheit der Akteure eines solchen Projekts nicht mehr übernommen werden.

Margarete Gallhoff übernahm am 14. April als Stellvertreterin des Projektleiters die Aufgabe einer Rede aus Anlass der Wiederrichtung einer Gedenktafel für Georg Schwarz im Alfred Kunze Sport Park zu halten. Dabei wurde eine engere antifaschistische Zusammenarbeit mit der BSG Chemie Leipzig vereinbart. An diesem Tag wurde eine Einladung zur gemeinsamen Fahrt auf der MS Weltfrieden mit dem Fußballnachwuchs der BSG Chemie zum Weltfriedenstag ausgesprochen. Am 1. September 2013 fand die Fahrt statt.

Till Gossmann nahm die Feierstunde zur Wiedererrichtung der Gedenktafel auf Video auf und zeigt dies drei Tage später der 83jährigen Tochter von Georg Schwarz, Frau Sonja Kurella-Schwarz, in Berlin. Aus diesem Video und einem Videointerview ist ein Kurzfilm zur Geschichte der Familie von Georg Schwarz entstanden. Bedauerlicherweise ist Frau Kuralla-Schwarz Ende September 2013 verstorben. Am 14. Nov. wurde im Erich-Zeigner-Haus eine Gedenkfeier für Frau Kurella-Schwarz durchgeführt, bei der der neu entstandene Kurzfilm gezeigt wurde.

Am 30. April 2013, zum Courage-Konzert, welches unter der Schirmherrschaft des OBM Burkhard Jung stand, wurde Richard Gauch für sein Engagement für das Gedenkprojekt der Courage-Preis "Couragiert in Leipzig" - 2013 überreicht.

Vom 3. bis 8. Mai waren MitstreiterInnen der Gedenkaktion aus Bremen zum Erfahrungsaustausch sowie für eine Buchlesung auf Einladung der Initiativgruppe zu Gast in Leipzig. Gemeinsam nahmen wir am „Gedenkmarsch für die Opfer der Todesmärsche“ in Leipzig sowie am Georg Schwarz Straßenfest teil.

Zum 8. Mai präsentierte sich die Initiativgruppe, vertreten durch Katja Welz und Margarete Gallhoff auf den Lindenauer Markt. Dort wurde unter dem Motto „Die Welt zu Gast in Lindenau“ der Tag der Befreiung 1945 würdevoll begangen.

Es folgte vom 5.-8. Juli die Teilnahme am 3. Internationalen Antifa-Camp in Heideruh. Der Reimteufel und Suncalina führten einen Rep-Workshop und ein Konzert durch. Richard Gauch informierte die Teilnehmer über die aktuelle politische Situation in Ungarn. Des weiteren stellte er die Gedenkaktion vor und knüpfte weitere internationale Beziehungen nach Belgien und Österreich zur zukünftigen Erweiterung der Gedenkaktion.

Bis zum 9. November wurden fast alle Stolperstein Biografien in Zusammenarbeit mit Radio Blau als sogenannte „Hörstolpersteine“ eingelesen. Dieses Projekt lief seit Anfang Februar.

Der Einladung unserer langjährigen Unterstützerin, Frau Dr. Barbara Höll, MdB folgend verbrachten Frau Rotraut Edler und Frau Margarete Gallhoff zwei Tage zum Zweck der Weiterbildung in Berlin.

Frau Carolin Helbig gestaltete die von Ihr entworfenen Plakate und Flyer für den 75. Gedenktag an den Holocaust um. Eine weitere Bearbeitung erfolgt über die DGB-Jugend, Herrn Attila Peeck. Eine inhaltliche Korrektur war erforderlich, Wünsche anderer bundesweiter Partner wurden eingearbeitet.

Freddy Gauch ist seit Beginn der Gedenkaktionen als Administrator der Webside und Datenbank dabei.

Wir reinigten am 9. November in der Zeit von 17:00 bis 17:30 Uhr gemeinsam zu den Mahnwachen in Leipzig die Stolpersteine. An den ehemaligen Wohnorten verschleppter Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch und konfessionell Verfolgter, Homosexueller und Euthanasieopfer wurden Kerzen entzündet und Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.

Im Anschluss fand um 18.00 Uhr an der Gedenkstätte Gottschedstraße Ecke Zentralstraße die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt Leipzig zur Progromnacht statt.

Der Musikalischer Auftakt wurde durch den Leipziger Synagogalchor unter Leitung von Ludwig Böhme gestaltet.

Andreas Müller, Erster Bürgermeister der Stadt Leipzig, Küf Kaufmann, Vorstandsvorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Prof. Dr. Cornelius Weiß, Schirmherr der Gedenkaktion "Mahnwache und Stolpersteine putzen" erinnerten an die Geschehnisse in Form von Ansprachen.

Nach dem Kaddisch Gebet, das Gemeinderabiner Zsolt Balla hielt, wurden am Denkmal Kränze niedergelegt und eine Schweigeminute abgehalten.

In diesem Jahr 2013 beteiligten sich fünfzig Orte in Deutschland, acht Orte in Tschechien, Budapest in Ungarn und Salzburg in Österreich an der Gedenkaktion „Mahnwache und Stolpersteine putzen“. In dem entstandenen Netzwerk war auch Raum für Solidarität mit den Gedenkenden in Ungarn, wo sich die antisemitische Stimmung massiv ausgebreitet hat.

Am 14. November 2013 wurde das Projekt Gedenkaktion „Mahnwache und Stolpersteine putzen“ an den Erich – Zeigner - Haus e.V. in Rahmen einer Veranstaltung übergeben.

Der Erich-Zeigner-Haus e.V. wird nun, unter der Leitung des Vereinsvorsitzenden Frank Kimmerle, diese Gedenkaktion in die Zukunft führen.



Margarete Gallhoff

und

Frank Kimmerle
Projektleiter IG „Mahnwache und Stolpersteine putzen“
Voritzernder - Erich-Zeigner-Haus e.V.
Tel: 0341 - 8709507

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